Aus dem Leben eines Hochzeitsfotografen 1 – Die Angst vorm hohen ISO

Hallo du wundervoller Mensch,

ich freue mich außerordentlich, dass du dich auf meinen Blog und ausgerechnet in diesen Beitrag verirrt hast. Ich gehe schon eine Weile mit dem Gedanken schwanger, eine Blogserie über den Bereich Hochzeitsfotografie in meinen Blog einzustreuen. Nicht zuletzt, weil ich ein ums andere Mal darauf angesprochen wurde. So freut es mich zu sagen das ich, nicht ohne Stolz, den ersten Teil aus der Reihe „Aus dem Leben eines Hochzeitsfotografen“ präsentieren darf. Und nun? Viel Freude beim lesen des Artikels.

Lange war es still in diesem Bereich meiner Website. Unter anderem lag das daran, dass ich nicht wusste, wie ich all das, also diesen riesigen Bereich der Hochzeitsfotos, angehen soll. Am vergangenen Wochenende aber, fotografierte ich eine standesamtliche Trauung und das Thema über das ich als ersten sprechen möchte, viel mir sozusagen direkt in den Schoß. Denn es war in meinem Kopf omnipräsent an diesem Tag: Die Angst vorm hohen ISO Wert.

Es war mein erster Auftrag in 2019 und ich kam voller Tatendrang an der Location an. Das Standesamt befand sich in einem tollen, alten Fachwerk-Gebäude und die Hochzeitsgesellschaft trudelte langsam ein. Wir reden, bei einer standesamtlichen Trauung, in der Regel von einer sehr überschaubaren Anzahl an Personen und kleinen Räumen. So auch in diesem Fall. Ich gehe eine solche Veranstaltung dennoch an wie jede andere Reportage. Ich versuche die Stimmung einzufangen. Ich fotografiere die Gäste und das Paar in deren Gesprächen untereinander und bei den Begrüßungen. Dabei versuche ich, möglichst mit der Szene zu „verschmelzen“ und nicht zu viel Augenmerkt auf mich zu richten. Bei einer Größe von 1,90 m ist das nicht immer ganz leicht. Um meine Gedanken zu verdeutlichen, müsst Ihr noch Wissen, dass hierbei locker um die 180 Bilder, in oftmals diffusen beleuchteten Räumen entstehen. Mal mehr, mal weniger. Das kommt immer ganz auf den Ablauf an.

DSC02166

Hochzeitsfotograf Schweinfurt

All diese äußeren Umstände sind aus fotografischer Sicht eher als schwierig anzusehen. Wer schon einmal ohne einen Blitz versucht hat, eine Personengruppe in einem schlecht belichteten Raum zu fotografieren, der weiß wovon ich spreche. Um es einmal technisch auszusprechen: Die Verschlusszeit darf nicht zu lang sein, wenn nicht alle Bilder durch Bewegungsunschärfe glänzen sollen und der ISO-Wert macht Bilder zu einem Pixel-Brei, wenn man es übertreibt. Fazit: Alles hier schreit nach einem Blitz. Wären wir in der Feier-Location, würde ich dem auch sofort zustimmen und zur Tasche greifen. Dort sind die Leute gelöst. Sie trinken und essen und feiern. Der Raum ist größer und die Bilder die man schießt verteilen sich mehr auf Fläche und Personen. Doch jetzt und hier, auf dem Standesamt? Willst du hier wirklich 180 Bilder blitzen bei einer doch eher kleinen Personenzahl und in kleinen Räumlichkeiten? Ich jedenfalls eher nicht. Für mich wäre nichts schlimmer als die Stimmung gegenüber dem Fotografen hier ins Negative zu ziehen, indem man als störend oder Ablenkung wahrgenommen wird. Jedenfalls nicht, solange es noch andere Möglichkeiten gibt.

(Anmerkung: Manchmal geht es nicht anders. Manchmal hilft nur der Blitz und als Fotograf bin ich der Profi der bezahlt wir, weil er weiß, wann es soweit ist!)

Sigma sei Dank habe ich an meiner Kamera etwas Backup nach unten, was das Thema Blendenöffnung angeht. 1.4 ist schon eine wirklich große Offenblende. Und so stand ich da: Verschlusszeit 1/100. Teilweiße wird es hier schon kritisch, wenn jemand eine sehr intensive Körpersprache lebt. Aber meist reicht das aus um die Bewegungsunschärfe bei 35mm Brennweite zu minimieren. ISO 800 – Man merkt es schon in den Hauttönen, aber als störend ist es noch nicht anzusehen. Jetzt die Blende: 1.4 – damit wird sicher alles gut, oder?

(Anmerkung: Ich kann hier nur für meine Kamera und meinen Sensor sprechen. Sicher gibt es Unterschiede in den Modellen, die meine Aussagen über bestimmte Werte etwas verschieben würden)

Ich begann also die ersten Fotos zu schießen und merkte schnell das die Kamera und ich unterschiedlicher Meinung waren, was die Qualität der ersten Bilder angeht. Was habe ich vergessen? Was stimmt nicht? Was mache ich falsch? Kann man so viel vergessen über einen Winter? Schnell ging ich alles noch einmal in Gedanken durch und sah mir die Bilder noch einmal mit Verstand an. Irgendwas stimmte mit dem Fokus nicht. Und da machte es (zum Glück) klick in meinem Kopf. Klar: Bei Blende 1.4 hast du, mit 6 Metern Abstand zum Motiv, einen Schärfebereich von ca. einem Meter. Bei einer Reportage habe ich, grade mit dieser Brennweite, eher weniger, also unter 6 Meter Abstand. Bei zwei Metern Abstand zum Motiv sind es noch ca. 10 cm Schärfebereich. Das ist verdammt wenig in einem dunklen, diffusen Raum voller Menschengrüppchen deren Bewegungen unwillkürlich passieren. Meine Kamera steht auf Einzelbildautofokus, was die Sache zusätzlich erschwert. Alle laufen durcheinander begrüßen sich, oder wechseln zu einem anderen Gesprächspartner.

Die Bilder die ich bis dahin hatte waren nicht völlig unbrauchbar aber doch ein Stück von dem entfernt, was ich gerne abliefern möchte. Ich änderte also folgendes: Blende etwas schließen. Eine Blendenöffnung von 2.0 oder 2.2 sollte den Ausschuss minimieren. Der Bereich des Bildes, der letztlich scharf ist, wird dadurch etwas größer. Außerdem ging ich mit dem ISO etwas hoch. Das Ganze sollte sich von der Qualität die Waage halten, mit einer leichten Verbesserung im Vergleich zu den ersten Bildern. Dennoch hatte ich hiervor am meisten Angst. Ja, ich habe wirklich Angst am ISO zu drehen. Für mich stört ein Bild nichts mehr, als ein Rauschen in den Details. Und Grade Haut neigt, jedenfalls bei meinem Sensor, leider sehr schnell zu unangenehmen rauschen. Aber es half alles nichts ich würde diesmal auch ein ISO von 1600 in Kauf nehmen müssen. Zu guter Letzt eine Sache, für die ich mir spontan entschieden habe. Der Wechsel vom Einzelbildautofokus zum Nachführ-Autofokus mit Verriegelung. Ich weiß gar nicht warum ich nicht viel öfters in diesem Autofokusmodus unterwegs bin, wenn ich eine Reportage fotografiere. Vermutlich weil ich noch nie diesen riesigen Vorteil bemerkt habe.

Hätte all das nicht geholfen, hätte ich den Blitz zücken müssen um die Bilder der Begrüßung und des Sektempfangs im Anschluss der Trauung festhalten zu können. Beides fand im „dunklen“ Vorraum statt. Aber ich hatte „Glück“. Es hat funktioniert und die Ergebnisse können sich sehen lassen. Nicht mal der „hohe“ ISO ist in diesem Fall ein Problem für mich und das Paar ist ganz glücklich über die natürlichen Bilder.

Letztlich musste ich fast schon lachen als ich, nach diesem ganzen Trubel, eines der Gruppenbilder aus dem Freien fand, bei dem offensichtlich das Objektiv leicht beschlagen war, ohne dass ich das während des Fotografierens gemerkt habe.

Wenn Ihr Fragen oder Anregungen habt, schreibt mir gerne. Ich würde mich sehr freuen von euch zu lesen.

Bleibt gesund und bis bald

Denny

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